Was sind Sketchnotes, Graphic Recording, Graphic Facilitation?

Der Unterschied zwischen Sketchnotes, Graphic Recording und Visual Facilitation

Dieser Artikel erklärt die Unterschiede zwischen zwischen Sketchnotes, Graphic Recording, Visual Facilitation und Illustration. Falls Sie Graphic Recording für Ihre Veranstaltung suchen, sprechen Sie mich gerne an. Das ist auch remote möglich!

Graphic Recording buchen

Seit ich mich mit Sketchnotes beschäftige und selbst mit Sketchnotes arbeite, treibt mich die Frage um, wie genau sich Sketchnotes und Graphic Recording eigentlich unterscheiden. Graphic Recorder habe ich immer ein bisschen bewundert, zum einen weil sie ein unglaubliches Arsenal an Neuland Stiften besitzen und nutzen.

Zum anderen weil sie sich problemlos im großen Format bewegen und sich nichts daraus machen, wenn ihnen Hunderte Leute beim Zeichnen über die Schulter quasi direkt auf den Stift schauen.

Beispiel für ein Graphic Recording Ein Beispiel für ein analoges großformatiges Graphic Recording von Ben Felis

Mir kommt das kleine Format irgendwie eher entgegen. Aber die wenigen Male, die ich im großen Format gearbeitet habe, hat es mich schon etwas gereizt das öfter zu machen. Irgendwie gab es da aber immer eine Hürde zwischen »Wollen« und »Machen«, denn offenbar schienen Welten zwischen Sketchnotes und Graphic Recording zu liegen jenseits von Material und Größe.

So habe ich im Laufe der Jahre versucht, mir in Gesprächen und im Austausch mit anderen Visualisieren selbst ein Bild zu machen. In der Tat ist die Szene gerade sehr in Bewegung, weil das Arbeitsfeld der Visualisierer größer wird und damit auch die Akzeptanz des »Kritzelns«.

Im November gab es eine zweitägige Konferenz der European Visual Facilitators, in dem es unter anderem um dieses Thema ging. Wie sich zeigte, haben viele Visualisierer das Bedürfnis nach einer klareren Definition der Begriffe und nach Standards, die es auch für Kunden einfacher macht, ihre Bedürfnisse einzuordnen. Das war der Kern der der Veranstaltung. Ich habe sehr angeregte Gespräche dazu geführt und versuche mich nun hier selbst an einer Definition, die wohl gemerkt meine persönliche Sichtweise ist.

Es würde mich freuen, wenn sie einen Austausch anstößt.


Was sind Sketchnotes?

Sketchnotes – Was sind Sketchnotes
Sketchnotes sind visuelle Notizen mit persönlichen Fokus im Kleinformat

Von der Definition her sind Sketchnotes eigentlich als private Visuelle Notizen im kleinen Format gedacht und sind somit im Grunde die kleine Schwester des Graphic Recording. Da aber auch die Sketchnoter immer professioneller werden, sind viele Sketchnotes inzwischen auch sehr gute visuelle Zusammenfassungen für Außenstehende. Wenn ein Sketchnoter schon viele Jahre Erfahrung hat, dann kann auch eine kleine Sketchnote oder ein digitales Protokoll am iPad durchaus ein gelungenes Graphic Recording sein, auch wenn die eigentliche Intention anfangs war, diese Sketchnote für sich selbst zu erstellen.

Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass sehr viel »Sketchnote« genannt wird, das eigentlich keine ist – wenn man die exakte Definition heran zieht. Kunden mögen den Begriff weil er so »trendy« ist, Lehrer benutzen ihn für ihre Tafelbilder, Coaches nutzen ihn für visuelle Prozessbegleitung. Das sind alles per se kleine klassischen Sketchnotes, eher Visualisierungen. Ich selbst bin hier aber nicht so streng in der Nutzung des Begriffs, denn wenn es der Sache und dem Verständnis gut tut, dann darf man es meiner Meinung nach auch Sketchnotes nennen, wenn Visualisierung gemeint ist.

Für viele sind Sketchnotes auch der Einstieg in das Thema Visualisierung und Visual Thinking überhaupt und das werte ich als eine gute Sache.

Wie ich bereits an dieser Stelle erwähnt habe, unterscheide ich hier zwischen Live und Nicht-Live-Visualisierung, da die Herangehensweise eine andere ist.

Aufgabe einer Sketchnote:
  • Ein visuelles Protokoll erstellen, das hauptsächlich der privaten Nutzung dient
  • Wird häufig per Social Media geteilt
  • Anwendungsgebiete sind sehr breit gefächert: Von Rezepten, zu Reiseplanung bis Meetings

Was ist Graphic Recording?

Sketchnotes – Was ist Graphic Recording
Graphic Recording ist visuelle Dokumentation in Echt-Zeit, meist im großen Format.

Beim Graphic Recording werden Inhalte wie Gespräche oder Präsentationen in Bilder und Texte übersetzt. So entsteht ein visuelles Protokoll, das sehr häufig im großen Format angelegt ist, häufig mehrere Meter breit.

Zunehmend werden aber auch digitale Graphic Recordings auf dem iPad angefertigt, die einfach exportiert und verteilt werden können. Sie können auch an Projektoren angeschlossen und live an die Wand gestreamt werden und sind dann auch wieder großformatig. Da zeigt sich der bereits erwähnte fließende Übergang von Sketchnotes zu Graphic Recording, weswegen häufig auch gesagt wird, dass Graphic Recordings im Grunde ja große Sketchnotes sind.

Meist greift der Graphic Recorder nicht in den Prozess ein, sondern dokumentiert lediglich. Da er ein für alle Teilnehmer funktionierendes Protokoll erstellen soll, muss er seine persönliche Sichtweise etwas zurücknehmen. Aber auch ein Graphic Recording ist immer subjektiv und kann keine vollständige grafische Übersetzung sein.

Aufgabe eines Graphic Recordings:

  • Ein visuelles Protokoll erstellen
  • Komplexe Themen visuell und leicht verständlich aufbereiten

Was ist Visual Facilitation bzw. Graphic Facilitation?

Sketchnotes – Was ist Graphic Faciliation
Visual Facilitation (auch Graphic Facilitation) ist visuelle Prozessbegleitung. Sie geht über die reine Dokumentation eines Prozesses hinaus, denn sie greift aktiv in den Prozess ein und gestaltet ihn so mit.

Für mich persönlich ist Visual Facilitation die Königsdisziplin der Visualisierung. Hier geht es nicht nur um das reine Dokumentieren von Prozessen, sondern auch um das Eingreifen in den selbigen. Idealerweise werden dabei Zusammenhänge sichtbar, die den Mitwirkenden einer Gruppe so nicht klar waren.

Dabei wird ein Prozess visuell moderiert, das Visualisierte wird wieder in die Gruppe zurück gegeben und kann direkt aufgegriffen werden.

Hier kann die ganze Stärke der Visualisierung und von Bildern ausgespielt werden, denn komplexe Inhalte werden strukturiert erarbeitet, gestaltet und diskutiert.

Anwendungsgebiete sind Workshops, Veränderungsprozesse, Meetings, Projekte usw.

Aufgabe einer Visual Facilitation:
  • In Gruppenprozesse eingreifen
  • Gruppenprozesse visuell begleiten und gestalten

Was ist Illustration?

Sketchnotes – Was ist Illustration
Illustrationen erläutern und erklären Inhalte von Texten visuell. (illustrare = „erleuchten, erklären“).

Illustrationen sind eigentlich als Bilder gedacht, die Texte begleiten. Man kennt sie z.B. aus dem Editorial Bereich in Magazinen, auf Websites zur Unterstützung von Texten, in Büchern oder Kinderbüchern usw.

Auch wenn Illustrationen häufig sehr künstlerisch anmuten, haben sie eigentlich eher den Zweck des Erläuterns von Inhalten. Sie bereiten die Inhalte von Texten visuell auf und holen den Leser (emotional) ab. Damit unterscheidet sie sich von der Fotografie. Mein Illustrations-Professor Klaus Baumgart (Der Erfinder von Lauras Stern) sagte mal: Eine Illustration muss mehr können als ein Foto, sonst könne man Texten ja auch einfach ein Foto beifügen.

Dieser Satz ist bei mir hängen geblieben.

Seit dem Siegeszug der Visualisierung und des Graphic Recordings gibt es auch immer mehr Illustratoren, die in diesem Bereichen arbeiten. Die Illustratoren Organisation hat Graphic Recorder unter den Mitgliedern und die Künstlersozialkasse hat erst kürzlich entschieden, dass Graphic Recording KSK-abgabepflichtig ist.
Auch wenn gute Zeichenfähigkeiten nicht unbedingt die Voraussetzung für gute Graphic Recordings sind, ist es aber eben doch auffällig wie viele Illustratoren inzwischen auch Graphic Recordding anbieten.

Ich vermute, dass sich für Illustratoren hier ein interessantes und lukratives Betätigungsfeld ergibt. Leider ist Illustration nämlich häufig ein schwieriges Arbeitsumfeld wenn es um faire Bezahlung geht. Das ist ein generelles Problem der Kreativbranche.

Die Tagessätze für Graphic Recorder und Visualisierer sind da durchaus verlockend. Und natürlich müssen Illustratoren nicht erst das Zeichnen und Visualisieren lernen. Dafür aber das Zuhören, Filtern und Live-Zeichnen, das nochmal eine andere Herausforderung ist als am heimischen Schreibtisch Bücher zu illustrieren.


Was ist eine Infografik?

Eine Infografik visualisiert Daten und Gesamtzusammenhänge.

Die Infografik möchte ich an dieser Stelle mit anführen, da ich wenn ich von Sketchnotes erzähle, schon öfter gehört habe: »Ah, Infografiken!«

Auch wenn eine Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen ist, ist eine Infografik doch etwas ganz anderes. Auch sie visualisiert Zusammenhänge, nutzt Bilder und Text und bereitet Inhalte visuell auf. Sie kann auch illustrative Elemente enthalten.

Dennoch ist die Arbeitsweise eine ganz andere, denn Infografiker wühlen sich häufig durch viele Datenmengen, tauchen dort tief ein und bereiten diese Inhalte dann nicht mit dem Zeitdruck der Live-Visualisierung auf. Aber natürlich gibt es auch hier Zeitdruck durch Deadlines, besonders wenn man im Redaktionellen Bereich arbeitet.

Infografiken werden häufig am Computer mit Vektoren erstellt.

Besonders tolle Infografiken hat z.B. die Berliner Morgenpost. Und das Buch »Deutschland verstehen« [Affiliate] hat viele tolle Beispiele für Infografiken.


Wo gibt es Schnittmengen?

Sketchnotes Visual Thinking

Während der Diskussion auf der Veranstaltung im November kam ich ins Grübeln. Denn offensichtlich ist es nicht so einfach, jeden Bereich so einfach zu definieren und abzugrenzen – der Wunsch ist allerdings von Seiten der Visualisierer da.

Das hat viele Gründe. Es macht die Kommunikation nach außen und mit Kunden deutlich einfacher, was einer der Gründe ist, warum ich diesen Artikel hier schreibe. Viele Anfragen, die ich bekomme, fragen nach Sketchnotes, meinen aber eher Illustration oder eben Graphic Recording.

Eine klare Abgrenzung macht es der Branche und Kunden daher einfacher, das richtige »Produkt« zu finden.

Ich sehe aber einige Schnittmengen, wie man den Erklärungen dieses Textes entnehmen kann. Jemand der viel Erfahrung mit Sketchnotes hat, kann durchaus gute Graphic Recordings machen. Man muss sich dabei dann lediglich an das große Format ran tasten.

Oder man macht es direkt digital, dann verschwinden die Grenzen meiner Meinung nach völlig.

Häufig öffnen Graphic Recordings, die als reine visuelle Begleitung gedacht waren, auch neue Gespräche und Gedankengänge. Damit werden sie ebenfalls zu einer Form der Visual Facilitation.

Und dann steht natürlich die Illustration bzw. illustrative Skills über allem. Denn egal ob gelernter Illustrator oder nicht, an bestimmten Zeichen-Skills kommt man so oder so nicht vorbei. Und auch der visuelle Stil ist etwas, das bei Kunden durchaus gut ankommen kann und einen Unterschied bei der Auswahl des Recorders, Sketchnoters oder Facilitators macht.

Fazit – Visual Practioning und Visual Thinking

Die Visualisierungsszene hat sich in den letzten Jahren deutlich weiter entwickelt. Deswegen ist auch der Wunsch nach klarer Definition der einzelnen Tätigkeitsbereiche größer geworden.

Es gibt Sketchnotes, Graphic Recordings, Visual Facilitation, Illustration, Infografiken, darüber hinaus noch Live-Zeichnen bzw. Event-Zeichnen, z.B. auf Hochzeiten oder Familienfeiern. Sie unterscheiden sich zwar alle inhaltlich, aber es gibt durchaus Schnittmengen unter den Disziplinen.

Alles würde ich unter den Begriffen Visual Practioning und Visual Thinking zusammen fassen.

Was denkt ihr?

Ein kleines Update: Diese Sketchnote habe ich für das Marketing-Magazin OnetoOne gemacht, um den Vorteil von Graphic Recording zu erklären.

Was ist Graphic Recording?

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7 Kommentare zu “Der Unterschied zwischen Sketchnotes, Graphic Recording und Visual Facilitation

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