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Strukturierte Sketchnotes mit Gestaltungsregeln – Teil 3

Hier folgt nun der dritte Teil zum Thema Aufbau und Struktur in Sketchnotes bringen – hier findest du Struktur in Sketchnotes bringen! So geht’s – Teil 1 und Struktur in Sketchnotes bringen! Drei Beispiele – Teil 2

Für diesen Artikel musste ich ein paar Jahre zurück in meine Zeit des Kommunikationsdesign-Grundstudiums gehen und in meinen »Grundlagen der Gestaltung« Unterlagen suchen. Da wir ohnehin ein Vizthink zum Thema »Visuelle Strukturen« geplant hatten, ließ sich das wunderbar verbinden.

Dabei gingen wir Fragen nach wie:
Warum empfinden wir eine Sketchnote als gut oder gelungen?
Warum wirkt sie aufgeräumt?
Wer schafft es gut Struktur in Sketchnotes zu bringen?
Wie lenkt man das Auge gut durch eine Sketchnote oder ein Graphic Recording?

Visuelle Gestaltungsgesetze als Grundlage für Sketchnotes

Um eine gute bzw. gelungene Visualisierung – sei es als Sketchnote, Flipchart, Live-Zeichnung oder Graphic Recording zu erstellen – muss man wie bei jeglicher Art von guter Gestaltung ein paar Gestaltungsgrundlagen beachten. Grundlage guter Gestaltung sind immer Gestaltgesetze, die der visuellen Wahrnehmung dienen. Sie sind Anfang des 20. Jahrhunderts aus der Gestaltpsychologie hervorgegangen und galten zunächst nicht der Gestaltungslehre – sondern der Gedächtnis- und Wahrnehmungsforschung.

Heute sind sie Teil jedes Design-Grundstudiums. Ich habe sie für euch hier etwas aufbereitet, so dass ihr eure Schlüsse für die Gestaltung von Sketchnotes daraus ziehen könnt.

Es gibt noch mehr Gesetze als die hier aufgeführten, aber einige sind nur für Bewegtbild relevant oder gar nicht zwingend wichtig für Visualisierung.

Daher erhebe ich hier auch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.


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Gesetz der Prägnanz (auch Gesetz der guten Gestaltung)

Prägnanz bedeutet eine einfache und klare Gestaltung, denn unser Gehirn liebt einfache und prägnante Formen. Besonders beliebt sind dabei Kreis, Rechteck oder Dreieck – sie bilden die Grundlage der Wahrnehmung von Objekten. Komplexe Objekte werden dabei vom Gehirn in möglichst einfache geometrische Grundformen zerlegt. Umgekehrt funktioniert deswegen das Visuelle Alphabet zum Aufbau von Objekten nutzen.

Daher werden sehr einfache Objekte (wie eben Symbole in Sketchnotes) bevorzugt wahrgenommen.

Prägnanz bedeutet hier aber auch, dass ein anders aussehendes Objekt sofort auffällt – weil er sich vom Rest prägnant unterscheidet.

Was bedeutet das Gesetz der Prägnanz für Sketchnotes?

  • Mit einfachen Grundformen arbeiten, um z.B. Symbole zu zeichnen. Objekte nicht zu sehr überfrachten.
  • Mit Objekten arbeiten, die sich vom Rest unterscheiden – sogenannte Blickfänge oder Störer verwenden, um Besonderheiten hervorzuheben.

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Gesetz der Ähnlichkeit

Ähnlich aussehende Objekte, Symbole, Elemente oder Bilder werden als zusammengehörig empfunden (quasi gruppiert).

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass optisch unterschiedliche Objekte nicht als Einheit wahrgenommen werden.

Diese Ähnlichkeiten können durch Form, Farbe, Größe, Tonalität, Richtung etc. erzeugt werden. Generell gilt dabei: Je mehr Ähnlichkeiten ein Objekt mit einem anderen hat, um so stärker ist diese Wirkung.

Was bedeutet das Gesetz der Ähnlichkeit für Sketchnotes?

  • Gleich wichtige Inhaltsblöcke mit gleich aussehenden Bullet Points, Rahmen, Containern oder Icons versehen, um mehr Struktur in eine Sketchnote zu bringen.

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Gesetz der Nähe

Objekte, die nahe beieinander stehen, werden als zusammengehörig empfunden und im Gegenteil werden Objekte, die räumlich getrennt sind, als voneinander unabhängig angesehen.

Freiraum spielt daher in der Gestaltung als Abgrenzung eine wichtige Rolle.

Was bedeutet das Gesetz der Nähe für Sketchnotes?

  • In sich geschlossene Themenbereiche sollten näher beieinander stehen, um eine Einheit zu bilden.
  • Weißraum zwischen Elementen kann klar zur Abtrennung von Themenbereichen genutzt werden.

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Gesetz der Geschlossenheit

Unser Gehirn mag keine unfertigen Sachen und vervollständigt einzelne Objekte, auch wenn es visuell so nicht abgebildet ist. So entsteht eine Einheit, auch wenn sie nicht „zu Ende“ gezeichnet ist.

Es bevorzugt also geschlossene Objekte und ergänzt bekannte Formen durch erdachte Linien. Unvollständige Formen werden somit im Kopf komplettiert. Deswegen werden z.B. gestrichelte Linien (eines meiner liebsten Trenner Elemente) als eine Linie wahrgenommen, obwohl sie genau genommen genommen nur eine Ansammlung von vielen einzelnen Linien sind.

Was bedeutet das Gesetz der Geschlossenheit für Sketchnotes?

  • Rahmen und Container wie z.B. eine Sprechblase müssen nicht komplett geschlossen sein, um als Rahmen zu funktionieren.
  • Gestrichelte Linien funktionieren gut als Trenner, die nicht so „hart“ wirken sollen wie geschlossene Linien.

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Gesetz der Kontinuität (oder der guten Fortsetzung)

Das Gehirn setzt bei Linien immer voraus, dass sie dem einfachsten Weg folgen. Wenn sich also mehrere Linien kreuzen, geht das Gehirn immer davon aus, dass sie von links nach rechts laufen oder dem einfachsten Weg folgen.

Was bedeutet das Gesetz der Kontinuität für die Struktur von Sketchnotes?

  • Wenn man innerhalb einer Sketchnote einen bestimmten Weg als Struktur zu Grunde legen will, sollte man die Themeninseln klar erkennbar anhand einer Linie anordnen.

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Gesetz der Verbundenheit

Miteinander verbundene Elemente werden als eine visuelle Einheit wahrgenommen. Objekte mit Linien zu verbinden kann dabei andere Gestaltungsgesetze außer Kraft setzen, da Verbundenheit ein sehr starkes Gestaltungselement ist.

Was bedeutet das Gesetz der Verbundenheit für die Struktur von Sketchnotes?

  • Zusammengehörige Themeninseln können mit einer Linie miteinander verbunden werden, um diese Zusammengehörigkeit oder einen Ablauf (Gesetz der Kontinuität) darzustellen
  • Bezüge und Zusammenhänge zwischen Themeninseln können ebenfalls mit Linien verdeutlicht werden.

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Gesetz der Symmetrie

Elemente, die symmetrisch aufgebaut sind, werden eher als Einheit wahrgenommen als „unordentliche“ Elemente, die keinem Muster folgen. Der Betrachter wird symmetrische Elemente, die einer klaren Struktur folgen immer bevorzugen, verglichen mit chaotischen Elementen.

Was bedeutet das Gesetz der Symmetrie für Struktur in Sketchnotes?

  • Als „aufgeräumt“ empfundene Sketchnotes folgen einer gewissen Symmetrie: Entweder sind Elemente symmetrisch um einen Mittelpunkt angeordnet, sie folgen festen Spalten oder haben einfach alle eine ähnliche Größe, die innerhalb eines Rasters angeordnet sind.

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Gesetz der gemeinsamen Bewegung

Dieses Gesetz wird auch »Gesetz des gemeinsamen Schicksals« genannt. Es trifft noch stärker auf animierte Gestaltung zu, kann aber auch auf statische Elemente angewandt werden. Es besagt, dass alles was sich in eine Richtung bewegt als eine Einheit wahrgenommen wird. Also eine Gruppe von Menschen, die in dieselbe Richtung läuft wird entsprechend als eine Einheit wahrgenommen; einzelne Figuren, die in eine andere Richtung laufen, als eine andere Einheit.

Was bedeutet das Gesetz der gemeinsamen Bewegung für Struktur in Sketchnotes?

  • Eine Gruppe von Inhalten, die sich anhand eines Pfades in eine bestimmte Richtung bewegt, ist eine Einheit.

Fazit: Struktur durch Beachten der Gestaltungsgesetze

An dieser Stelle sei noch zu erwähnen, dass man viele Gestaltgesetze miteinander kombinieren kann, um noch mehr Struktur in eine Gestaltung zu bringen, sie sich aber auch gegenseitig außer Kraft setzen können.

Diese Gestaltungsgesetze können als gute Grundlage für jegliche Art von Gestaltung dienen. Nicht nur für Sketchnotes oder Graphic Recordings, sondern auch für Arbeitsblätter in Schulen, Powerpoint-Präsentationen, Flipcharts usw.

Zum Weiterlesen empfehle ich das Buch: Grundlagen des Gestaltens von Roberta Bergmann  (Affiliate)

1 Kommentar zu “Strukturierte Sketchnotes mit Gestaltungsregeln – Teil 3

  1. Sehr übersichtlich und informativ. Danke

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