Sketchnotes in der Schule

Sketchnotes in der Schule einsetzen – So geht’s!

Als ich zur Schule ging war – wenig überraschend – Kunst mein Lieblingsfach. Denn da durfte ich das machen, was ich am liebsten machte: Zeichnen! In den anderen Fächern hingegen war ich zwar ganz gut (bis auf Sport und Mathe, Bockspringen und Integralrechnung haben sich mir in ihrem Sinn bis heute nicht erschlossen), aber zu meiner Schulzeit hieß es: Nur wer zuhört ist aufmerksam. Nebenher kritzeln wurde nicht gerne gesehen, denn dabei war ich ja vermeintlich nicht bei der Sache. Das alles gilt inzwischen als widerlegt, selbst Kritzeln und Doodlen erhöht nachweislich die Aufmerksamkeit.

Vorteile von Sketchnotes im Unterricht

An eine Methodik wie Sketchnotes war damals gar nicht zu denken. Notizen haben wir so gemacht, wie sie an die Tafel geschrieben wurden und ja, meist wurden sie geschrieben. Ich denke, das kommt vielen von euch bekannt vor. Diese Art Notizen zu machen sollte sicher stellen, dass man auch auf jeden Fall alles mitnimmt was im Unterricht gesagt wurde und ja – Mengenmäßig hat man so am Ende der Stunde wirklich viel mitgenommen.

Aber hat man auch alles behalten?

An dieser Stelle setzen Visuelle Notizen und der Prozess des Zeichnens als Element des Lernens an. Denn zum Glück gibt es inzwischen genügend Studien, die diesen Effekt belegen. Den nicht mehr ganz jungen Picture Superiority Effect habe ich inzwischen so oft zitiert, dass ich mich umso mehr freue, dass es eine ganz neue Studie mit dem wunderschönen Namen »The Surprisingly Powerful Effect of Drawing on Memory« trägt.

Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Zeichnen genau das ist, was hilft, sich Sachen zu merken und sie zu verstehen. Denn im Gegensatz zum einfachen Mitschreiben muss das Gehirn hier anders arbeiten:
Es muss sich Objekte und Vorgänge vorstellen, ein virtuelles Modell erstellen, in das es hinein zoomen und dass es drehen kann. Und am Ende all das visuell zusammen fassen.

Dieser Prozess ist fürs Lernen unbezahlbar und das können sich Lehrer und Schüler zu Nutze machen.

Sketchnotes Drawing on memory

Sketchnotes in der Schule nutzen – eine Checkliste

  1. Zunächst einmal: Haben Sie keine Angst! Der Prozess des Zeichnens ist das Wichtigste, nicht WIE es am Ende aussieht.
  2. Fangen Sie zunächst an, sich kleine Bilderwelten für ihre Fachrichtung aufzubauen. Für den Anfang reichen kleine Symbole, z.B. Zellen, Reagenzgläser, DNA, Organe etc. für Biologie.
    Erweitern Sie diese mit der Zeit, so dass Sie einen umfangreichen Bildkatalog aufbauen.
    Das ist wie Vokabeln in einer neuen Sprache lernen: Am Anfang kennen Sie nur wenige Wörter und können nur kurze Gespräche führen, mit der Zeit werden es dann immer mehr.
  3. Werden Sie sicher im Zeichnen. Damit meine ich nicht, dass Sie perfekt zeichnen sollen, sondern dass Sie sich schnell an Bilder und Symbole herantrauen und die auch schnell »kritzeln« können. Erlangen Sie einfach Selbstbewusstsein im Umgang mit Visuellen Elementen.
  4. Ermuntern Sie Ihre Schüler mit Sketchnotes zu arbeiten und gehen Sie mit gutem Beispiel voran, indem Sie z.B. Tafelbilder und Arbeitsblätter visuell gestalten. Schüler übernehmen das gerne.
  5. Lassen Sie sich inspirieren und inspirieren Sie andere. Das Netz ist voller Inspirationen zum Thema Sketchnotes (Googlen Sie einfach mal den Begriff und schauen Sie durch mein Pinterest Board »Sketchnotes Inspiration«).
    Kopieren Sie Elemente, die Sie gut finden in dem Sie sie nachzeichnen und wandeln Sie sie ab.

Wann nutzen Sketchnotes in der Schule?

Eigentlich immer. Ich persönlich glaube, dass man Sie in jedem Fach einsetzen kann. Ich möchte trotzdem ein paar Beispiele auflisten, von denen ich finde, dass Sie dort gut passen:

  • Sport-Unterricht
  • Projektwochen zur Dokumentation von Prozessen
  • Lernplakate
  • Sprachen lernen
  • Zugang zu Texten jeglicher Art finden
  • Lernpläne erstellen
  • Zeitleisten
  • Geschichten wiedergeben
  • Jegliche Art von Prozessen verstehen (Photosynthese, Treibhauseffekt etc.)
  • In Willkommensklassen
  • usw.

Ein Beispiel für Sketchnotes am Beispiel der »Sachlichen Romanze«

Nachfolgend ein Beispiel wie man sich mit Sketchnotes literarischen Texten nähern kann. Ich habe dafür das Beispiel der »Sachlichen Romanze« von Erich Kästner ausgewählt, da mich seine Gedichte zu Schulzeiten sehr beeindruckt haben. (Ich empfehle unbedingt seinen Gedichtband: Die Lyrische Hausapotheke (Affiliate).

Ich habe versucht darzustellen, wie man den Inhalt visuell aufbereiten könnte. Die Pfeile an der Seite bilden dabei den Handlungsstrang ab und zeigen wo sich die Geschichte entwickelt.

Wenn ihr Deutsch-Lehrer seid und die Vorlage nutzen wollt, schreibt mir, ich schicke euch gerne ein PDF.

Sketchnotes in der Schule – Kästner Sachliche Romanze


Sketchnotes in der Schule – das Buch

Als mich der Cornelsen Verlag letzten Sommer dann fragte, ob ich mir vorstellen könnte ein Buch darüber zu machen, war ich auf der einen Seite zwar sofort hellauf begeistert weil ich schon seit ich mich mit Sketchnotes befasse der Meinung bin, dass sie für Schule und Studium perfekt sind!

Auf der anderen Seite hatte ich auch etwas Respekt, denn ich unterrichte zwar auch ab und an Sketchnotes in Workshops – aber gelernte Pädagogin bin ich natürlich nicht.

Also hab ich mich mit vielen Lehrern unterhalten, die damit bereits arbeiten – allen voran meine Schwägerin Julia Köller, die viel Input zum Buch geliefert hat (Danke Julia!)

Ich habe mit Freude wahrgenommen, dass es schon Lehrer gibt, die damit arbeiten (Doodleteacher z.B.) und habe ihre Arbeit eng beobachtet.

Sketchnotes in der Schule

Sketchnotes in der Schule

Sketchnotes in der Schule

Aber natürlich ist auch meine persönliche Sichtweise mit eingeflossen, besonders in die Beispiele. Schon im Übungsbuch habe ich damals mein Lieblingsbuch »Die Blechtrommel« gesketchnoted, dieses Mal ist Effie Briest dabei.

Also sagte ich zu und habe in diesem Buch im Gegensatz zu meinem anderen Buch den Focus mehr auf die Methodik und auf Schulthemen gelegt.

Bestellen könnt ihr das Buch direkt beim Verlag oder im Buchhandel.

Dass dieses Thema so gut ankommt, hat mich selber ehrlich gesagt überrascht, das Buch wird bereits nach zwei Wochen nachgedruckt. Das macht mich in mehrerer Hinsicht sehr glücklich, denn offenbar habe ich da einen Nerv getroffen und das Thema findet immer mehr Platz in Schulen.

Und das ist ganz wundervoll!

Wie nutzt ihr Sketchnotes im Unterricht? Welches sind eure Anwendungsfälle? Ich freue mich sehr über euer Feedback!

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2 Kommentare zu “Sketchnotes in der Schule einsetzen – So geht’s!

  1. Vielen Dank für dieses Buch, Nadine!

    Eine kleine Episode aus meiner Schulzeit: Mit jedem Schuljahr hat mir Geschichte weniger Spaß gemacht. Während ich die Alten Ägypter und Griechen noch faszinierend fand, wurde es mit Karl dem Großen und irgendwelchen Bauernaufständen immer langweiliger, zahlenlastiger und irgendwie beliebiger.

    In der zehnten Klasse aber bekamen wir eine junge Lehrerin, die fantastische Tafelanschriften machte. Sie erarbeitete mit uns ein Thema, und dabei schrieb oder zeichnete sie an eine Stelle auf der Tafel. Dann kamen Pfeile ins Spiel, Rahmen, Sprechblasen, kleine Bilder … heute weiß ich: Sie sketchnotete. Das Fach Geschichte wurde plötzlich wieder lebendig, ein spannender Prozess mit Ereignissen und Gegenreaktionen, sich bedingenden Abläufen und folgenreichen Entscheidungen.

    Teilweise schrieben wir Schüler gleich mit, dann sagte uns die Lehrerin, wo wir noch Platz lassen sollten; oder wir hatten im Anschluss an den Erklärteil genug Zeit, das Tafelbild „abzumalen“. Am Ende hatte ich die Schulstunde übersichtlich auf einer Heftseite – und musste gar nicht mehr so viel lernen, weil die Zusammenhänge viel klarer waren als bei irgendwelchen Stichpunktlisten.

    Ich hoffe, dein Buch motiviert viele Lehrer:innen, Sketchnotes im Unterricht einzusetzen. Mir haben die Tafelanschriften dabei geholfen, wieder den Sinn des Fachs Geschichte zu entdecken und wirklich etwas darüber lernen zu wollen.

    • Hallo Gerhard,

      lieben Dank für deinen wundervollen Beitrag, der quasi aus dem realen Unterricht heraus zeigt, wie toll das funktionieren kann. Toll auch, wie sie euch begleitet hat und gesagt hat, wo bei Mitschriften noch Platz bleiben soll. Ich hoffe sehr, dass ich etwas dazu beitrage, dass sich das bei vielen Lehrern durchsetzt.

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